Nachdem die 2. Mannschaft am letzten Spieltag noch gegen Schenklengsfeld unterlegen war ging es nun im Kellerduell gegen Burghaun.
Burghaun war zwar Tabellenletzter, allerdings definitiv nicht zu unterschätzen, hatten sie doch viele Spiele auch nicht in Bestbesetzung gespielt.
Hier waren sich allerdings auch die Burghauner der Wichtigkeit des Spiels bewusst und so traten sie in Bestbesetzung an.
Auf Hersfelder Seite fielen diesmal Vanessa Krauße und Wilhelm Schimming aus und wurden durch Tilman Heisterhagen und Ingo Kehres ersetzt.
Nun aber zu den Partien:
Es ging gleich fulminant los für die Hersfelder. An Brett 5 konnte Ingo Kehres seinen Gegner lange auf Distanz halten und dann auch so stark angreifen, dass dieser im 20. Zug den ersten größeren Fehler machte:
Ingo hatte hier f5 gespielt und Schwarz hätte hier schon für eine ausgeglichene Stellung den Turm gegen den Läufer auf d3 opfern müssen. Das ist allerdings nicht einfach zu sehen und so spielte der Burghauner den „??-Zug“ Ld5.
Auch wenn in der Folge nicht jeder Zug der beiden Spieler optimal war, konnte Ingo seinen Vorteil durchsetzen und landete schließlich in folgender Stellung:
Der Burghauner mit Schwarz hatte hier das Schach mit Le6 blockiert. Ingo ließ sich hier nichtmehr von der Siegerstraße abbringen und sicherte hier mit 27.Txf7 h4 28.Lxe6+ Txe6 29.Txf2 den ersten Punkt für die Hersfelder.
Um den weiteren Verlauf besser abzubilden muss hier etwas zwischen den Partien gesprungen werden:
Zuerst geht es an Brett 2 zu Wolf Hajo Baschin-Iber.
Nach einer langen Theoriephase in der französischen Verteidigung nach Tarrasch wich Wolf Hajo hier als Erster von der Theorie ab und kam leider sehr schlecht in die Partie.
Der Burghauner Spieler hatte hier Lc2 gespielt. Wolf Hajo hatte hier leider einen größeren Aussetzer und stand nach 13… fxe5 14.fxe5 h6 15. Dd3 schon deutlich auf Verlust.
Einige Züge später und der großen Wanderschaft des Königs um dem Matt zu entgehen kam es zu dieser Stellung:
Weiß konnte hier Dh4+ spielen und eine Leichtfigur gewinnen. Die Partie war eigentlich gelaufen.
Wolf Hajo wollte hier aber noch nicht aufgeben, solange der Kampf noch nicht entschieden war.
Man weiß ja nie.
Zeitgleich spielte Philipp Schäfer an Brett 6 eine wilde Partie mit kleineren Ungenauigkeiten auf beiden Seiten. Auch hier machte jedoch leider die Hersfelder Seite den ersten größeren Fehler:
Weiß hatte hier cxd5 gespielt. Nach Sxd5 hätte Weiß hier nur einen kleinen Vorteil gehabt, Philipp entschied sich jedoch für den Zug 16… c5 und nach 17. dxc5 Sxc5 18. Lxf6 war mit einer kaputten Königsstellung und dem Doppelbauern die Stellung eigentlich schon verloren.
Zu diesem Zeitpunkt sah es objektiv also nicht gut aus – waren zwei Siege für die Burghauner scheinbar greifbar und Alana an Brett 1 war nominell in einer klaren Außenseiterrolle (obwohl zu diesem Zeitpunkt dort noch alles ausgeglichen war). Ein bisschen Nervosität kam also auf.
An Brett 3 konnte derweil Denis Kapustjan trotz eines Dreifachbauerns gut aus seiner Eröffnung kommen und konnte hier nach einem schwer zu sehenden Fehlers seines Gegners eine schöne Kombination finden:
Schwarz spielte hier 11… g6 und Denis sah sehr gut die Opfer 12.Sxh7 Kxh7 13. Dh5+ Kg8 14. Lxg6 fxg6 15. Dxg6:
Leider fand Denis hier allerdings die zugegebenermaßen schwierig zu findende Fortsetzung nicht und nahm hier lieber das Dauerschach. Nun stand es also 0,5-1,5 für Hersfeld bei objektiv zwei bevorstehenden Verlustpartien und der Unsicherheit bei den übrigen beiden Partien, da hier noch nichts entschieden war.
Doch die teilweise aufkommende Sorge war unbegründet.
Zuerst geht es zurück zu Philipp an Brett 6:
Sein Burghauner Gegner hatte die Stellung ohne größere Fehler weitergespielt und in der Folge auch einiges an Material gewonnen (der letzte Zug war Txg6). Philipp hatte hier auch keine weiteren Fehler gemacht, konnte nur bis hier kein größeres Gegenspiel entwickeln.
Hier folgt jedoch ein Beispiel warum man auch in so einer Stellung nicht aufgeben sollte:
Philipp spielte 37…Td8+ und sein Gegner spielte schnell den Patzerzug 38.Ke5.
Somit konnte Philipp plötzlich das Spiel drehen: 38… Lc7+ und dem König gehen die Felder aus. Weiß hätte hier noch um weiterzuspielen seinen Turm opfern können – entschied sich aber für 39. Kf5 und nach 39… Tf8+ war das Matt nichtmehr zu verhindern. 0,5-2,5 für Bad Hersfeld.
Die komplette Ausgangssituation war also auf den Kopf gestellt. Plötzlich fehle nur noch ein Punkt für den Mannschaftssieg.
Und für diesen Punkt sollte nun auch bald Tilman Heisterhagen an Brett 4 sorgen.
Lange Zeit konnte sein immerhin 92 Jahre alter(!) Gegner trotz Außenseiterrolle hier mithalten.
Bis zu Zug 29 gab es keine größeren Fehler und der Bewertungsbalken konnte nie einen relevanten Vorteil für einen der beiden Spieler ausmachen:
Hier verließ die Kondition den Burghauner Spieler und es folgte der spielentscheidende Fehler 30.f4. Es folgte richtigerweise e4 und Tilman hatte nun zwei starke Freibauern. Nach 31. Dxa4 Dxd6 fiel dort nun auch der einzige Bauer für potenzielles Gegenspiel.
Einen solchen Vorteil lässt sich Tilman natürlich nicht nehmen; tauschte erst die Damen, entwickelte dann einen Bauern um den Läufer zu gewinnen und nutzte dann seinen zweiten Freibauern:
Somit war es dann plötzlich ganz schnell gegangen und mit 0,5-3,5 waren die zwei Mannschaftspunkte sicher.
An Brett 1 spielte Alana Prendel derweil eine sehr solide Partie gegen den langjährigen Spitzenspieler der Burghauner.
Lediglich in einer Stellung kam Alana kurz in Bedrängnis:
Alana hatte hier Sd4? gespielt. Allerdings übersah ihr Gegenspieler das Turmopfer Txd4, cxd4, Tc8+, Lc3, Lh6+ und der Turm hätte dazwischen ziehen müssen. Auch ein sehr schwer zu sehendes Opfer also kein Fehler, den man einem der Spieler vorwerfen könnte.
In der Folge kristallisierte sich eine sehr ausgeglichene Partie heraus, jedoch stand Alana plötzlich sogar besser:
Der Burghauner hatte hier Ke8 gespielt. Schwarz hat hier die eine große Schwäche des Turms auf d5, der zuvor nach dem Bauernzug c4 dorthin geflohen war. Hier hätte Alana gut und gerne weiterspielen können mit der Idee später c4 zu spielen und dann entweder den Turm oder zwei starke Freibauern mitzunehmen.
Dies ist allerdings eine Taktik, die ohne Engine am Brett sehr schwer zu sehen ist.
Alana entschied sich hier für Lc1 und gab das Remis – und vor Ort hatte es wohl jeder genauso als Remis gesehen.
Fehlt nur noch die letzte Partie von Wolf Hajo an Brett 2, in der der Burghauner seinen Vorteil mittlerweile professionell weiter durchgesetzt hatte. Nach wie vor sah es hier nach der einzigen Niederlage aus:
Wolf Hajo spielte hier Ka3 und Weiß antwortete mit dem Fehler 50. Kg5.
Hier konnte Wolf Hajo nun ein Pattmotiv drohen und mit Tg6+ zumindest schoneinmal den Läufer zurückgewinnen. Natürlich war die Partie hier noch immer verloren, allerdings verunsicherte der Leichtfigurverlust den Burghauner weiter und plötzlich kam es zur entscheidenden Position:
Weiß hätte hier nur mit Ta7 den Bauern einsacken sollen und wäre mit den zwei Freibauern stärker gewesen als der schwarze Turm, doch der Burghauner entschied sich für h7. Und plötzlich konnte Wolf Hajo immer wieder Schach geben und das Remis sichern. Weiß konnte wegen des drohenden Patts den Turm nicht nehmen und so musste Wolf Hajo nur vermeiden, dass der weiße Turm zieht. Über 13 Züge versuchte der Burghauner noch zu entkommen, sah dann jedoch ein, dass hier kein Sieg mehr möglich war.
Der Endstand war nun also 1,5-4,5 für Hersfeld und es gab gleich zwei Partien, die dafür sprechen, auch in vermeintlich aussichtsloser Lage auch mal weiterzuspielen.
Der Klassenerhalt sollte nun mit 3 Punkten Vorsprung bei noch zwei Burghauner Partien endgültig sicher sein.
Hier nun noch die Partien für Interessierte zum Nachspielen:
(Zum Ansehen der Partien auf den jeweils ersten Zug klicken/tippen)
