Am 1. Februar stand für den SK Turm Bad Hersfeld der nächste wichtige Mannschaftskampf gegen den Schachverein Alsfeld an. Nach einem perfekten Saisonstart mit ausschließlich gewonnenen Kämpfen wollte das Team seine Erfolgsserie fortsetzen. Allerdings waren vier der bisherigen fünf Siege nur mit dem knappen Minimalergebnis zustande gekommen – das nötige Quäntchen Glück war bislang stets auf Hersfelder Seite gewesen. Um den angestrebten Aufstieg zu sichern, ist jedoch weiterhin höchste Konzentration in allen Begegnungen erforderlich.
Die Gastgeber aus Alsfeld, die zuletzt gegen Fulda gewonnen hatten, kämpfen noch um den Klassenerhalt und traten entsprechend motiviert nahezu in Bestbesetzung an. Dennoch begann der Wettkampf vielversprechend für die Gäste aus Hersfeld. Zunächst einigte sich Bernd Schnitzlein auf ein solides Remis. Kurz darauf sorgte Jona Rössing für den ersten vollen Punkt: Zunächst gewann er einen Bauern, später sogar eine Figur und brachte die Hersfelder Mannschaft mit einem wichtigen Schwarzsieg in Führung, was dem Team zusätzlich Selbstvertrauen verlieh.
In der Folge endeten auch die Partien an Brett sieben und acht remis. Vanessa Krauße musste zwar mit einer Qualität weniger auskommen, doch in einer typischen Sveshnikov-Struktur erwies sich ihr Springer als mindestens gleichwertig zum gegnerischen Turm, sodass auch hier eine Punkteteilung erreicht werden konnte. Anschließend einigte sich Manfred Willich in einer unklaren Stellung mit beidseitigen Chancen mit seinem Gegner auf Remis.
Die Entscheidung musste somit an den Spitzenbrettern fallen. Markus Schmidt einigte sich mit seinem Gegner auf Remis, nachdem in einer Stellung mit isolierten Damenbauern viele Figuren getauscht worden waren und im Endspiel kaum noch Gewinnchancen bestanden. Kurz darauf gelang Alsfeld der Ausgleich an Brett eins: Der starke Neuzugang der Gastgeber, lange Zeit in der Oberliga aktiv, setzte sich gegen Jörk Günter durch. Dieser hatte zwar eine Qualität für aktives Spiel geopfert, doch die Kompensation reichte letztlich nicht aus.
Auch an Brett drei endete die Partie von Eckhard mit einer Punkteteilung. In einer komplizierten Stellung entschied man sich für die sichere Variante, um das Risiko einer Niederlage im Mannschaftskampf zu vermeiden.
Beim Stand von 3,5 : 3,5 lief nur noch die Partie an Brett vier. Jörk Kruse spielte mit den schwarzen Steinen gegen Lothar Zilch und hatte ein für ihn günstiges Endspiel mit starkem Springer gegen schlechten Läufer erreicht. Die Stellung bot realistische Gewinnchancen, doch solche Endspiele sind schwer zu verwerten – besonders dann, wenn der Ausgang des gesamten Mannschaftskampfes davon abhängt und zahlreiche Teamkollegen die Partie gespannt verfolgen.
Die Entscheidung über Sieg oder Punkteteilung lag somit in den Händen von Jörk Kruse – und die Spannung im Spiellokal war entsprechend groß.
Die Stellung ist für schwarz technisch gewonnen, der Computer gibt einen Vorteil von mehr als zwei Bauern für schwarz. Allerdings ist die Umsetzung alles andere als einfach. Der Computer schlägt g5 vor, um die Kontrolle über die schwarzen Felder erhöhen (und die weißen Bauern auf den weißen Feldern zu fixieren). Anschließend kann schwarz die Felder f6 und e5 für seine Figuren nutzen.
In der Partie folgte der logisch aussehende Zug e5, wonach der Computer den Vorteil allerdings nur noch mit einem Bauern bewertet, da Schwarz das Feld nicht mehr für seine Figuren nutzen kann.
Weiß entschied sich in dieser Stellung g4 zu spielen, wonach Jörk jedoch stark h4! spielte. Alle anderen Züge hätten die weißen Remischancen deutlich erhöht! Die Idee bleibt die gleiche, die Bauern des Gegners auf der Farbe des Läufers fixieren und auf den schwarzen Feldern in das gegnerische Lager einbrechen.
Ein paar Züge später entschied sich Schwarz den Bauer nach h3 vorzustoßen, um den weißen Bauern auf h3 zu fixieren und – falls dieser fällt – einen gefährlichen Freibauern zu haben.
Allerdings ist der Bauer auf h3 ebenfalls schwach. Weiß fand die korrekte Antwort Ld3!, wonach der Computer die Stellung als ausgeglichen bewertet!
In dieser Stellung folgte Kh4 und der komplizierte Kampf ging weiter.
Allerdings gab es hier den starken Zug Sf4!, der als einziger gewinnt. Nach Lf1 muss schwarz allerdings auch noch f5! finden, wonach weitere weiße Bauern schwach werden. Zusätzlich hat Schwarz die Möglichkeit Sg2, da viele Bauernendspiele nach Lxg2 verloren sind. Analysiert die Stellung bei Interesse gerne selbst bis zum Gewinn!
Weiß hatte sich hier schon länger gut verteidigt, allerdings unterlief ihm hier ein Fehler. Bei bester Verteidigung gibt es keinen Gewinnweg für Schwarz, in der Partie folgte jedoch Kf2, wonach der Schwarze König nach f4 gelangt und die Stellung für weiß nicht mehr zu halten ist.
Der schwarze Springer ist endgültig in die gegnerische Stellung eingebrochen und es gibt mehrere Gewinnwege. Am einfachsten ist wahrscheinlich g5 um das weiße Gegenspiel mit h4 zu unterbinden. Aber auch Sxa2 oder a4 gewinnt. Jörk Kruse entschied sich für den vierten Gewinnzug Sd1
Durch h4 kommt weiß zu Gegenspiel und Schwarz muss genau spielen um den Vorteil zu verwerten. Sd1 und Sf1 gewinnt, den größten Vorteil gibt jedoch Sxg4!, wonach Schwarz drei Bauern für den Springer erhält, da h4 nicht zu halten ist. Der Läufer auf h1 steht zu passiv um sich gegen den drohenden Bauernsturm zu wehren.
In der Partie folgte jedoch c4, wonach Weiß wieder hoffen darf
Nach gxf4, gxf4 a4! hätte es für Schwarz keinen zwingenden Gewinnweg mehr gegeben. Dies ist jedoch alles andere als einfach zu finden.
Weiß entschied sich für exf4, gxf5 und hoffte auf Gegenspiel durch seine Freibauern nach g5
Ab hier ließ Schwarz jedoch nichts mehr zu. Der Springer eilt zurück um die gegnerischen Freibauern zu stoppen während die Bauernwalze im Zentrum die Partie gewinnt.
Der Bauer setzt matt und die Partie war endgültig entschieden
