Berits im April hatte unsere Jugend erfolgreich an Turniere teilgenommen. Leider war ich im April zeitgleich stark ausgelastet, so dass ich nicht dazu kam Berichte zu schreiben. Dann kamen noch einige Computer- und Internetproblemchen dazu – so dass ich für einige Zeit offline war. Ich wurde schon einige Male gefragt, wo die Berichte bleiben und ob es überhaupt Sinn macht die Berichte noch nachzureichen – bekanntlich ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern. Ich habe mich entschlossen die Berichte heute nachzureichen: Gute Turniere werden doch nicht schlecht, nur weil sie schon etwas her sind.
Am Wochenende 11. und 12. April wurden zeitgleich in Bad Homburg die Hessischen U8 Meisterschaften und die Vorrunde Hessen Mix Teampokal U12 ausgetragen. Am 25.04 folgten dann die Hessischen Mädchenmannschaftsmeisterschaften. Zunächst zu den Jüngsten.
Hessische U8 Meisterschaften
40 Teilnehmer, 7 Runden. Gregor Schimming mit DWZ 791 auf Startrang 14, Amelia Prendel mit DWZ 711 auf Startrang 20 gesetzt. Aber was sagt das aus, wenn man bedenkt, das dreistellige DWZ im U8 äußerst ungenau sind (betrifft alle bis auf die Top 5) und die Hälfte des Feldes keine DWZ hat?
Also ohne besondere Zielsetzung einfach spielen und sich möglichst weit vorne platzieren. Und das fängt gut an. In der ersten Runde kann Amelia gewinnen, Gregor erzielt ein remis, In der zweiten Runde gewinnen beide, Erst in Runde 3 gibt’s die erste Niederlage (Amelia), Gregor erzielt sein zweites Remis. Ich will jetzt nicht Runde für Runde alle Ergebnisse auflisten, aber mit 2 aus 3 haben beide einen guten Start hingelegt, aber wenn man sich in Schweizer System Turnieren nach vorne spielt, werden auch die Gegner stärker. In der Endtabelle belegt Gregor mit 4 Punkten Platz 13, Amelia mit 3 Punkten Platz 23. Letztlich also gar nichts passiert, die Spieler liegen doch in der Endtabelle ziemlich genau da, wo sie in der Startrangliste standen? Oberflächlich betrachtet stimmt das so. Beide Spieler haben eine schöne Zeit verbracht, einiges an Turniererfahrung gesammelt, massig DWZ gewonnen, Amelia hat so gut gespielt, dass sie einen Freiplatz zur deutschen Meisterschaft U8w bekommen hat, Gregor hat auch Lust auf mehr und wird bei der deutschen Meisterschaft im KIKA-Turnier mitspielen. Ich sehe da einen tollen Erfolg für beide.
Vorunde Hessen Mix Teampokal U12
Ein recht neues Turnierformat in der Schachlandschaft. Erstmalig ausgetragen 2025 auf Bundesebene, dieses Jahr mit Vorrunden um sich für das Bundesfinale zu qualifizieren. Die Grundidee: Es gibt jede Menge Angebote um das Mädchenschach zu fördern, aber Mädchen sollen ja auch im „normalen“ Schachbetrieb teilnehmen. Jungs können besser mit Jungs und Mädchen besser mit Mädchen, grade in der Pubertät (und auch schon Vorpubertät) gibt’s so einige Vorbehalte „Ätsch, du hast gegen ein Mädchen verloren“)“. Mit diesem Turnierformat hält die Schachjugend dagegen: ein Team muß zwingend aus 2 Jungs und 2 Mädchen bestehen. Die Bedenkzeit beträgt 1 Stunde pro Partie. Sehr gut, denn sonst gibts (fast) nur Turnierangebote mit Bedenkzeit 2 Stunden (für die meisten Kids zu viel) oder Schnellschachturniere. Als gewünschten Nebeneffekt muß das Turnier an 2 Tagen übers Wochenende ausgetragen werden, was die Kids dazu bringt nicht nur als Team zusammen zu spielen, sondern vielleicht auch die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen und vielleicht auch die ein oder andere Freizeitaktivität gemeinsam zu bestreiten. Einziger Nachteil: Es gibt leider nur wenige Mädchen beim Schach, was die Anzahl der möglichen Mannschaften stark begrenzt.
Nach dieser kurzen Einleitung zum Turnier.
Es nehmen 6 Mannshaften teil. 3 Mannschaften aus Bad Homburg, je eine Mannschaft aus Oberursel, Kelkheim und Bad Hersfeld. Klarer Favorit ist Bad Homburg 1 mit einem DWZ-Schnitt 1291, Bad Homburg 2 ist mit DWZ-Schnitt 1063 eine gute Mannschaft, wir sind mit einem DWZ-Schnitt 938 auf Stratranglistenplatz 3. Aber das ist recht belanglos weil die anderen Mannschaften von der Spielstärke nicht so weit auseinander liegen. (Wobei wir mit Wilhelm Schimming einen Spitzenspieler haben, der unseren DWZ-Schnitt nach oben bring und auch für einige Punkte sorgen wird) Also abgesehen davon das Bad Homburg 1 das Turnier deutlich gewinnen wird kann hier fast alles passieren.
Unsere Mannschaft:
- Wilhelm Schimming (DWZ 1491)
- Lukas Momberger (keine DWZ)
- Anabel Garcia Spring (DWZ 776)
- Nelli Kornuschko (DWZ 785)
Schon in Runde 1 macht unsere Mannschaft deutlich, das sie hier mehr vorhat als nur mitzuspielen. Der SV Oberursel wird mit 4:0 besiegt. In Runde 2 folgt der nächste 4:0 Sieg gegen Kelkheim. Bad Homburg 3 wird ebenfalls mit 4:0 bezwungen. Damit haben wir am Ende des ersten Spieltages mit 6:0 Mannschaftspunkten und 12;0 Brettpunken eine makellose Bilanz – und liegen in der Zwischentabelle nur auf Platz 2 da Bad Homburg 1 ebenfalls alles mit 4:0 gewonnen hat. Meine Eingangseinschätzung, das wir abgesehen von Wilhelm mit den anderen Teams „nur“ gleich stark sind, hat unser Team damit klar widerlegt. Es beibt die Frage: Zu was ist unsere Mannschaft noch fähig?
Gegen das Favoritenteam Bad Homburg 1 werden uns Grenzen aufgezeigt. Auch Wilhelm kann gegen Dominik Riazi (DWZ 1687) nichts ausrichten. Aber Nelli gewinnt ! Damit sind wir das einzige Team, das gegen Bad Homburg 1 nicht mit 4:0 verloren hat sondern nur mit 1:3.
Damit ist Platz 1 vergeben. In der direkten Begegnung mit Bad Homburg 2 wird über Platz 2 oder 3 entschieden. der Gewinner bekommt Silber, der Verlierer Bronze. Und bei einem 2:2 ? Dank Nellis Sieg gegen Bad Homburg 1 haben wir einen Brettpunkt mehr, ein 2:2 reicht uns also.
Lukas verliert, Wilhelm gewinnt, Anabel verliert… und Nelli gewinnt. Damit haben wir unser 2:2,
Silber, Qualifikation für das Deutschlandfinale, Lukas bekommt seine erste DWZ (1100 also enorm gut) Die anderen Spieler gewinnen deutlich an DWZ hinzu, Nelli hat alle 5 Partien gewonnen —- Was kann es da noch geben um die Stimmung zu trüben?
Leider gibt es diesen Stimmungstrüber. Die Deutsche Schachjugend hat das Deutschlandfinale auf den 19.-21. Juni terminiert. An diesem Wochenende finden die deutschen Schulschachmeisterschaften Grundschule Mädchen in Düsseldorf statt. Hier werden alle unsere U12 Mädchen die Flagge der Wilhelm-Neuhaus-Schule vertreten. Wir können also nicht am Deutschlandfinale teilnehmen, weil unsere Mädchen an einer deutschen Meisterschaft teilnehmen……
Update: Das Deutschlandfinale fällt aus. Vielleicht waren wir nicht die einzige Mannschaft, bei denen die Mädchen fehlen, weil sie in Düsseldorf eine deutsche Meisterschaft spielen ?
Hessische Mädchenmannschaftsmeisterschaften
Die Hessische Mädchenmannschaftsmeisterschaft wird schon seit mehreren Jahren in der Leibnitzschule in Offenbach statt. Immer gut organisiert, angenehme Spielatmosphäre. Der SK Turm Bad Hersfeld ist dort jedes Jahr vertreten. Viele Pokale und Titel geholt. 2025 waren wir mit 2 Teams (U18 + U12) plus 3 Teams von der Wilhelm-Neuhaus-Schule im parallel stattfinden Duo-Cup = insgesamt 15 Hersfelder Mädchen vertreten. Aber dieses Jahr stand (aus Hersfelder Sicht) diese Veranstaltung unter keinem guten Stern,
Einige Mädels aus dem vorjährige U18 Team haben sich inzwischen vom aktiven Schach zurückgezogen, einige unserer jüngeren Mädels mussten wegen anderer privaten Verpflichtungen absagen. Eine Woche vor Turnierbeginn hatte ich genau 4 Mädels. Klaus hat wieder bei den Mädels von der WNS gefragt – und bekommt genau 0 (In Worten Null) Zusagen…. OK, dann fahren wir dieses Jahr nur mit einer Mannschaft hin. Dann sagt mir eines der Mädchen am Donnerstag aus privaten Gründen ab – da waren es nur noch drei. Der Versuch noch kurzfristig eine Gastspielerin aus einem anderen Verein zu verpflichten schlägt auch fehl. Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten: Wir sagen ab und bleiben zu Hause oder wir fahren zu dritt hin.
Wir fahren zu dritt hin. Alana Prendel, Nelli Kornuschko und Amelia Prendel. Gedanken um irgendwelche Titel brauchen wir uns dieses Jahr nicht zu machen, denn Alana hebt nicht nur den DWZ-Schnitt deutlich an, die Altersklasse der Mannschaft richtet sich nach der ältesten Spielerin. Wir haben also eine U18 Mannschaft mit einer U10 Spielerin an Brett 2, einer U8 Spielerin an Brett 3 und werden in jeder Begegnung kampflos an Brett 4 verlieren.
Vor Ort dann der erste Lichtblick. Wir bekommen eine Gastspielerin für Brett 4. Baskara Someswaran vom SK Bickenbach. Eine sehr jungen Spielerin (geschätzt U8) die erst seit kurzem in Deutschland ist und erst vor einem halben Jahr die Schachregeln erlernt hat – soweit ich das verstanden habe, denn sowohl sie als auch ihre Eltern sprechen nur Englisch. Und da meine Englischkenntnisse bekanntlich äußerst dürftig sind: Alana übernimmt die Kommunikation. Aber ob top oder flopp, zumindest haben wir jetzt eine vollständige Mannschaft.
Zum Schachlichen. Von 8 Mannschaften sind wir mit einem DWZ-Schnitt von 1021 an Platz 4 gesetzt. Mit deutlichen Abstand zu den Top 3 SK Bad Homburg 1 (1469), VSG Offenbach (1515) und SV Oberursel (1583). Gleich in der ersten Runde können wir mit einem 2:2 gegen Bad Homburg 2 unseren ersten Erfolg feiern. Danach steigern wir uns. 2,5:1,5 gegen Bad Homburg 3 und 3:1 gegen Bad Homburg 4. Damit haben wir zur Mittagspause 5:1 Mannschaftspunkte. Die Stimmung ist entsprechend super. Nach dem Mittagessen beginnt der Ernst des Lebens – wir müssen gegen die Top 3 Teams ran.
Eine klare 0:4 Niederlage gegen Oberursel, eine weitere 0:4 Niederlage gegen Offenbach. Aber das war schon nicht mehr ganz so eindeutig. Alana hält gegen Rosalie Werner (DWZ1903) in der Eröffnung und im frühen Mittelspiel gut mit. Dann spielt Rosalie ungenau, Alana sieht ihre Chance und wickelt in ein deutlich besseres Endspiel ab. Ich bin mir sogar sicher, dass das gewonnen sein muß. Aber technisch sehr anspruchsvoll, ehrlich gesagt hab ich auch nicht gesehen wie genau man da den Sieg erzwingt. Und so kam es, wie es kommen muss. Alana hält ihren Vorteil, kommt aber nicht so richtig weiter. Die Zeit wird bei Alana knapp, erste Ungenauigkeiten schleichen sich ein, die Stellung entgleitet ihr, und in inzwischen schlechter Stellung verliert sie auf Zeit. Ein ähnliches Drama an Brett 2: Nelli (DWZ 842) hält gegen Sarah Neininger (DWZ 1874) gut mit und bekommt ein völlig ausgeglichenes Mittelspiel. Bei 1000 Punkten DWZ Unterschied ist allein das schon eine Riesen Leistung. Dann spielt Sarah nachlässig. Nelli merkt, dass Sarahs Stellungsbehandlung so nicht richtig sein kann, denk etwas nach – und opfert eine Leichtfigur. Bei objektiv bester Spielweise müsste Sarah sich jetzt verteidigen, die Leichtfigur weder zurückgeben und sich damit abfinden dass sie bei gleichem Material schlechter steht. Ich bin mir sicher, dass Nelli dann zumindest ein remis geholt hätte. Aber Sarah denkt gar nicht daran die objektiv beste Spielweise zu wählen. Sie wählt die komplizierteste Spielweise. Objektiv steht Nelli jetzt nicht nur besser, sie steht klar auf Gewinn! Aber da muss jeder Zug genaustens berechnet werden. Und so kam es, wie es kommen muß: Nelli kann mit den Rechenkünsten einer U18-Spielerin mit DWZ 1874 nicht mithalten und verliert den Überblick.
Gegen Bad Homburg 1 verlieren wir dann „nur noch“ 1:3. Alana kann hier punkten. Jetzt heißt es sich nach dieser Niederlagenserie für die Schlussrunde gegen Kelkheim nochmal voll zu motivieren. Kein Problem für unsere Mädels. 3,5:0,5 Sieg.
In der Schlußtabelle belegen wir mit 7:7 Mannschaftspunkten Platz 5, Punktgleich mit Bad Homburg 2, die aber mehr Brettpunkte haben. In der Einzelabrechnung haben unsere Spielerinnen alle ein hervorragendes Ergebnis erzielt: Alana 4 1/2, Nelli 4, Amelia 3, Gastspielerin Baskara 1/2.
