Bezirksliga: Schach in der Domstadt – aber nicht matt

Mit zwei 3:1-Siegen und 4:0 Mannschaftspunkten im Gepäck reiste unsere Dritte zum SC Fulda 4 in die Domstadt – und kam mit der ersten Niederlage der Saison zurück. 1:3 hieß es am Ende. Tabellenführer bleiben die Türme trotzdem, jetzt allerdings punktgleich mit der SG Springer Burghaun. Und für alle, die den letzten Bericht gelesen haben: Ja, es wurde wieder en passant geschlagen. Nur diesmal nicht von uns.

Am Spitzenbrett bekam es Wolf Hajo Baschin-Iber mit Weiß mit der deutlich höher eingestuften WFM Mira Kierzek zu tun. Lange war das eine zähe Stellungspartie mit ineinander verhakten Bauernketten – bis Weiß mit 19.b4 die Tür einen Spalt weit öffnete. Schwarz am Zug – wer erinnert sich an unseren letzten Bericht?

Baschin-Iber – Kierzek (Brett 1), nach 19.b4 – Schwarz am Zug

Richtig: 19…cxb3! en passant wäre die Antwort gewesen. Nach 20.Dxb3 Lc6 liegt die c-Linie offen, der Bauer c3 wird zur Zielscheibe für den Turm auf c8, und Schwarz hätte auf Gewinn gestanden. Kierzek entschied sich aber für 19…a4, die Bauern verkeilten sich endgültig, und die Stellung war wieder ausgeglichen.

Ganz ohne Schlagen im Vorbeigehen ging es trotzdem nicht: Auf 21.f4 antwortete Schwarz mit 21…exf3 en passant. Nach dem Tausch der schwarzfeldrigen Läufer und eines Turmpaares war die Luft dann raus.

Baschin-Iber – Kierzek (Brett 1), nach 26.Tf4 – Schwarz am Zug

Die Bauernketten sind festgezurrt, keine Seite kommt durch – die Partie endete remis. Ein starker halber Punkt gegen eine nominell klar favorisierte Gegnerin.

An Brett 3 spielte Daniel Nowusch mit Weiß gegen Illia Postnikov. Nowusch suchte die Initiative am Königsflügel, seine Dame stand früh auf h6. Doch dann kam Schwarz am anderen Flügel zum Zug. Weiß hat gerade 19.d4 gespielt (19.h4 war besser). Schwarz am Zug – wo ist die Schwachstelle?

Nowusch – Postnikov (Brett 3), nach 19.d4 – Schwarz am Zug

19…cxb4! – und plötzlich bröckelte der weiße Damenflügel: Schwarz stand auf Gewinn. Nach 20.g5 (zäher war 20.axb4) Dg7 21.axb4 Dxh6 22.gxh6 waren die Damen vom Brett, und der weiße Bauer auf h6 stand weit vorn, aber recht einsam. Schwarz am Zug – welche Linie gehört jetzt wem?

Nowusch – Postnikov (Brett 3), nach 22.gxh6 – Schwarz am Zug

Mit 22…Tfc8! hätte Schwarz die offene c-Linie besetzt (23.Lc1 Sb6 und der Springer will nach c4) und wäre weiter auf Gewinnkurs gewesen. Nach 22…f5 hatte Schwarz zwar noch deutlichen Vorteil, aber keinen Gewinn mehr. Mit 23.h4 (23.Tfc1 war genauer) bekam Postnikov dann noch eine Chance:

Nowusch – Postnikov (Brett 3), nach 24.Tfc1 – Schwarz am Zug

24…Sg4! hätte sich den Bauern h6 geschnappt (25.Tc6 Sxh6), und Schwarz hätte wieder auf Gewinn gestanden. Postnikov wählte 24…Se4, und jetzt drehte Nowusch auf: 25.Tc6 Tfe8 26.Tcxa6, und nach dem Turmtausch auf a6 war die Stellung ausgeglichen. Zum Schluss hatte sogar Weiß die besseren Karten:

Nowusch – Postnikov (Brett 3), nach 28…Sd2 – Weiß am Zug

Mit 29.Txb5! hätte Weiß einen Bauern eingesammelt, und nach 29…Sc4 30.Lc3 klar besser gestanden. Nach 29.Kf2 Sc4 30.Tb7+ Te7 31.Txe7+ Kxe7 32.Lc3 endete die Partie remis – ein verdienter halber Punkt nach zäher Verteidigung.

Die verrückteste Partie des Tages lief an Brett 2. Philipp Schäfer stand mit Schwarz gegen Ali Moradi nach einer scharfen Eröffnung mit einer Figur mehr da, sein König auf e6 mitten im Geschehen. Schwarz am Zug – wie bringt er den Vorteil sicher ins Ziel?

Moradi – Schäfer (Brett 2), nach 12.De4 – Schwarz am Zug

12…b5! hätte den lästigen Läufer c4 vertrieben, der den Springer d5 an den König fesselt. Nach 13.Te1 bxc4 14.Dxe5+ Kf7 15.Dxd4 hätte Schwarz weiter eine Figur mehr gehabt. Schäfer spielte 12…Le7 und stand auch nach 13.Te1 noch auf Gewinn. Doch mit 13…Lf6 übersah er eine Fesselung: Der Bauer e5 durfte wegen des Turms auf e1 nicht mehr nach d4 schlagen, und so holte sich Weiß mit 14.Dxd4 die Figur zurück. Danach war die Partie ausgeglichen.

Nach einigem Abtausch schien die Partie ruhig in ein Endspiel zu laufen, bis 22.Sxf6+ gxf6 23.f4 Schwarz die nächste große Chance schenkte. Schwarz am Zug – was nun?

Moradi – Schäfer (Brett 2), nach 23.f4 – Schwarz am Zug

23…Tc2! – der Turm dringt auf die zweite Reihe ein, nach 24.g3 Thc8 folgt der zweite, und Läufer c1 und Damenflügel wären kaum zu halten gewesen. Schwarz hätte auf Gewinn gestanden. Schäfer spielte 23…Thg8, und die Stellung war wieder im Gleichgewicht. Bis 25…Tce8 – nun war Weiß an der Reihe. Weiß am Zug – was hätte jetzt gewonnen?

Moradi – Schäfer (Brett 2), nach 25…Tce8 – Weiß am Zug

26.fxe5+! fxe5 27.Lf4! – der Läufer fesselt den Bauern e5 an den König auf d6, und gegen Läufer und zwei Türme ist er nicht zu halten. Moradi spielte zunächst 26.g3, und mit 26…Lc6 wäre wieder alles im Lot gewesen. Nach 26…h5? kam die Idee aber doch noch aufs Brett: 27.fxe5+ fxe5 28.Lf4!

Moradi – Schäfer (Brett 2), nach 28.Lf4 – Schwarz am Zug

Der Bauer e5 fällt: 28…Lc6 29.Txe5 Txe5 30.Txe5, und Weiß hatte zwei Bauern mehr. Das anschließende Läuferendspiel mit am Ende drei Mehrbauern spielte Moradi sauber herunter. Ein echtes Wechselbad – Schäfer stand mehrfach auf Gewinn, das letzte Wort hatte aber ein hartnäckiger Gegner.

Kaum weniger turbulent ging es an Brett 4 zu, wo Tobias Woltmann mit Schwarz gegen Heorhii Rohalchuk antrat. Nach 13.Dc2 Lxf3 14.gxf3 war die weiße Königsstellung zerzaust, und Schwarz stand auf Gewinn, etwa mit 14…Tb8 und Druck auf der b-Linie. Nach 14…f6 war es wieder offen, doch Weiß gab mit 15.f4 (15.Dg6+ war besser) die Chance zurück. Schwarz am Zug – wohin mit dem König?

Rohalchuk – Woltmann (Brett 4), nach 15.f4 – Schwarz am Zug

15…0-0! – der König geht in Sicherheit, der Turm kommt auf die f-Linie, und Schwarz hätte auf Gewinn gestanden (16.dxc5 Db8). In der Partie folgte 15…g5, und nach 16.Dg6+ Kd7 17.exf6 gxf4 schlug das Pendel zu Weiß aus. Doch mit 18.Dg7 (18.Kh2 war der Weg) ließ Weiß Schwarz wieder auf Gewinn kommen. Nach 18…Tae8 fand Rohalchuk aber den starken Zug 19.f7! Schwarz am Zug – wie hält er die Stellung zusammen?

Rohalchuk – Woltmann (Brett 4), nach 19.f7 – Schwarz am Zug

19…Tef8! stellt sich dem f-Bauern in den Weg, und nach 20.Sd2 Dd8 (aber nicht 20…Dxb2? 21.Tab1) wäre die Partie offen gewesen. Nach 19…Tc8 20.Sd2 Dd8 stand dagegen Weiß auf Gewinn. Weiß am Zug – womit?

Rohalchuk – Woltmann (Brett 4), nach 20…Dd8 – Weiß am Zug

21.Tfe1! bringt den letzten Turm auf die e-Linie, wo Bauer e6 und Läufer e7 unter Druck geraten – das hätte gewonnen. Mit 21.dxc5 war die Partie dagegen wieder ausgeglichen. Nach 21…Df8 22.Dxf8 Tcxf8 23.b4 Txf7 war der lästige f-Bauer weg, und Woltmann hatte das angenehmere Endspiel. Schwarz am Zug – wie geht es weiter?

Rohalchuk – Woltmann (Brett 4), nach 26.Sd4 – Schwarz am Zug

26…e5! hätte den Springer vertrieben, und mit seinem mächtigen Bauernzentrum hätte Schwarz auf Gewinn gestanden (27.Sf3 a5). Nach 26…Le5 27.Tac1 f3+ 28.Kh1 stand Schwarz noch etwas besser, 28…Tf8 mit der Idee …Tg5 hätte den Vorteil bewahrt. Es kam aber 28…Tg2? – Weiß am Zug – wie wird das bestraft?

Rohalchuk – Woltmann (Brett 4), nach 28…Tg2 – Weiß am Zug

29.Sxf3! greift den Läufer e5 an, und der Turm auf g2 hängt gegen den König. Nach 29…Tg6 30.Sxe5+ war eine Figur weg und die Partie entschieden. Schade – Woltmann hatte über weite Strecken mutig und aktiv gespielt und mehrfach den Sieg in Reichweite.

Wie geht es weiter?

Das 1:3 ist nach all den ausgelassenen Chancen ärgerlich, aber Fulda hat die Punkte mit großem Kampfgeist verdient. In der Tabelle liegen die Türme mit 4:2 Mannschaftspunkten und 7 Brettpunkten weiter vorn, punktgleich mit der SG Springer Burghaun, dahinter lauern Fulda und Langenbieber mit je 3 Punkten. Es bleibt also eng. Schon am 8. November geht es zu Hause gegen den SC Langenbieber 2 weiter.

Die Partien zum Nachspielen

Wer die Partien ab dem Mittelspiel selbst durchklicken möchte – samt der verpassten Chancen als Varianten –, kann das hier tun:

Baschin-Iber – Kierzek (Brett 1): die Partie ab dem 16. Zug zum Durchklicken

Nowusch – Postnikov (Brett 3): die Partie ab dem 17. Zug zum Durchklicken

Moradi – Schäfer (Brett 2): die Partie ab dem 12. Zug zum Durchklicken

Rohalchuk – Woltmann (Brett 4): die Partie ab dem 13. Zug zum Durchklicken

Ergebnisse und Tabellen

Alle Ergebnisse und Tabellen gibt es auf nuLiga: