Was für ein Saisonstart für unsere Dritte! Zwei Heimspiele in der Bezirksliga, zweimal 3:1 gewonnen – damit grüßen die Türme nach zwei Runden mit 4:0 Mannschaftspunkten von ganz oben. Kurios: In drei der vier Partien, die wir uns genauer angeschaut haben, spielte ausgerechnet der seltenste Zug des Schachs eine Hauptrolle – das Schlagen en passant. Und jedes Mal war es ein Hersfelder, der zuschlug.
Runde 1: 3:1 gegen den SC Rotenburg 3
Zum Auftakt kam der SC Rotenburg 3 nach Bad Hersfeld, gleich mit zwei Dorogokupljas im Gepäck. Daniel Nowusch gewann an Brett 3 das Duell der Daniels gegen Daniel Reimuth, Philipp Schäfer musste sich an Brett 2 Volker Franz geschlagen geben. Die beiden anderen Partien hatten es in sich.
An Brett 1 traf Wolf Hajo Baschin-Iber mit Schwarz auf Alexey Dorogokuplja. Schon in der Eröffnung bot sich ihm zweimal die Gelegenheit, mit einem energischen Vorstoß im Zentrum klar in Vorteil zu kommen. Die Chance blieb noch liegen, die Stellung aber war angenehm – und im Mittelspiel ging es dann richtig los.
Weißer Springer auf b5, schwarzer Springer auf c4 – beide stehen frech in der gegnerischen Hälfte. Nach 19.Lc3 (besser war 19.Tc1) stellt sich die Frage: Schwarz am Zug – wie bringt man den Springer auf b5 in Verlegenheit?
Dorogokuplja – Baschin-Iber (Brett 1), nach 19.Lc3 – Schwarz am Zug
19…Dd7! greift gleichzeitig den Springer auf b5 und den Bauern h3 an. Und der Springer hat kaum noch Felder: a3 und c3 sind von den eigenen Leuten zugestellt, auf a7 und c7 wird er geschlagen. Also blieb nur 20.Sxd6 Dxd6, und nach 21.Lxc4 Txc4 hatte Schwarz die c-Linie und die weißen Felder fest im Griff. Danach manövrierte Baschin-Iber seinen Springer geduldig über f6, e8 und d6 bis nach b5.
Dann kam der Moment der Wahrheit. Weiß hat gerade 35.f4 gezogen (ruhiger war 35.Tg1). Schwarz am Zug – was nun?
Dorogokuplja – Baschin-Iber (Brett 1), nach 35.f4 – Schwarz am Zug
35…exf3+! – en passant mit Schach! Plötzlich ist die e-Linie offen und der weiße König steht im Freien. Nach 36.Kxf3 De7 37.h4 De4+ 38.Ke2 Dd3+ war die schwarze Dame ins weiße Lager eingedrungen, und Weiß gab auf. Ein schöner, geduldig herausgespielter Sieg am Spitzenbrett.
An Brett 4 lieferte sich Tobias Woltmann mit Weiß gegen Alina Dorogokuplja eine wilde Partie, in der das Pendel gleich mehrfach hin- und herschlug.
Mit 16…d5 griff Schwarz den Läufer auf c4 an – doch Woltmann antwortete mit 17.exd6! en passant und öffnete die d-Linie. Nach 17…Lxd6 (17…Lf6 war besser) entstand diese Stellung. Weiß am Zug – findest du den Gewinnzug?
Woltmann – Dorogokuplja (Brett 4), nach 17…Lxd6 – Weiß am Zug
18.Sb5! hätte klar gewonnen: Der Läufer auf d6 steht auf der d-Linie gefesselt vor seiner Dame und ist nicht mehr zu halten. In der Partie folgte 18.Ld3 Sh4 19.Dh5, und nun bot sich Schwarz die Chance: 19…g6! hätte die Dame vertrieben, und nach 20.Dg4 Sxg2 wäre der weiße Königsflügel auseinandergefallen. Schwarz spielte 19…h6 – und tappte immerhin nicht in die Falle 19…Sxg2? 20.Dxh7 matt.
Nach 20.Se4 c4 21.Sxd6 Lxg2 war wieder Weiß am Drücker. Weiß am Zug – wie geht es weiter?
Woltmann – Dorogokuplja (Brett 4), nach 21…Lxg2 – Weiß am Zug
Mit 22.Le4! hätte Weiß wieder auf Gewinn gestanden: Der Läufer bringt sich in Sicherheit und greift dabei auch noch den Turm auf a8 an. Nach 22.Tf2 cxd3 23.Txd3 Lc6 war die Partie dagegen wieder ausgeglichen. Dann öffnete Weiß mit 24.Sf5 die d-Linie – ein riskanter Zug, denn Schwarz hätte hier ein gutes Gegenmittel gehabt.
Woltmann – Dorogokuplja (Brett 4), nach 24.Sf5 – Schwarz am Zug
Richtig war 24…Sxf5!: Nach 25.Txd8 Taxd8 hätte Schwarz Turm und Springer für die Dame bekommen und klar die besseren Karten gehabt. Stattdessen kam 24…g6??, und nach 25.Txd8 gxh5 26.Txa8 Lxa8 27.Sxh4 stand Weiß mit einer ganzen Figur mehr da. Den Rest spielte Woltmann sicher herunter, nach 34.Td6 gab Schwarz auf.
Runde 2: 3:1 gegen den SV Rochade Hünfeld 2
Zwei Wochen später war Rochade Hünfeld zu Gast – passend zur ersten Runde diesmal mit zwei Miltners. Tobias Woltmann legte an Brett 4 gegen Rainer Blanquett gleich den nächsten Sieg nach, und Daniel Nowusch holte an Brett 3 gegen den deutlich höher eingestuften Horst Miltner ein starkes Remis.
An Brett 2 baute Tilman Heisterhagen mit Weiß gegen David Moultrie früh Druck am Königsflügel auf.
Schwarz hat gerade 16…f5 gespielt, um den weißen Druck zu entschärfen. Weiß am Zug – was nun?
Heisterhagen – Moultrie (Brett 2), nach 16…f5 – Weiß am Zug
17.exf6! – richtig, schon wieder en passant! Nach 17…Lxf6 18.Sxf6+ Dxf6 19.Lf4 hatte Weiß das Läuferpaar, und der Bauer auf e6 wurde zur Dauerbaustelle. Mit 19…Tf7? übersah Schwarz die nächste Pointe, zäher war 19…e5! 20.Sxe5 Se6.
Heisterhagen – Moultrie (Brett 2), nach 19…Tf7 – Weiß am Zug
20.Se5! tauscht die Verteidiger ab: Nach 20…Sxe5 21.Lxe5 De7 22.Lxc7 Dxc7 kam 23.Lxe6!, und nach 23…Lxe6 24.Dxe6 war der Bauer weg – der Turm auf f7 hing zudem in der Fesselung. Heisterhagen tauschte die Damen und spielte das Turmendspiel mit Mehrbauer souverän aus.
Heisterhagen – Moultrie (Brett 2), nach 32.Tee7 – Schwarz am Zug
Zwei weiße Türme auf der siebten Reihe – da wird es dem schwarzen König auf h7 ungemütlich. Zwei Züge später gab Schwarz auf.
Am Spitzenbrett hatte Wolf Hajo Baschin-Iber diesmal mit Schwarz den nominell stärkeren Andreas Miltner vor sich.
Nach 12.Lc2 hatte Schwarz eine hübsche Möglichkeit. Schwarz am Zug – entdeckst du die Idee?
Miltner – Baschin-Iber (Brett 1), nach 12.Lc2 – Schwarz am Zug
12…Se4! und als Nächstes …Lf5: Dann steht der Springer zwischen Läufer und Dame auf d3, und jeder Springerzug wird zum Abzugsangriff. Baschin-Iber wählte 12…g6, und auch nach 13.h3 Lf5 wäre 13…Se4 noch einmal möglich gewesen. Nach 14.Dd1 wurden die Leichtfiguren getauscht, und es entwickelte sich ein Gerangel um die e-Linie.
Miltner – Baschin-Iber (Brett 1), nach 23…Dxe7 – Weiß am Zug
Nach dem Tausch aller Türme war die Stellung völlig ausgeglichen, und die beiden einigten sich auf Remis – ein solider halber Punkt gegen einen starken Gegner.
Wie geht es weiter?
Mit 4:0 Mannschaftspunkten und 6 Brettpunkten führt die Dritte die Bezirksliga vor dem SC Langenbieber 2 an. Am 25. Oktober geht es in die Domstadt zum SC Fulda 4 – mal sehen, ob dort wieder ein Bauer en passant geschlagen wird.
Die Partien zum Nachspielen
Wer die Partien ab dem Mittelspiel selbst durchklicken möchte – samt der verpassten Chancen als Varianten –, kann das hier tun:
Dorogokuplja – Baschin-Iber (Brett 1): die Partie ab dem 18. Zug zum Durchklicken
Woltmann – Dorogokuplja (Brett 4): die Partie ab dem 16. Zug zum Durchklicken
Heisterhagen – Moultrie (Brett 2): die Partie ab dem 16. Zug zum Durchklicken
Miltner – Baschin-Iber (Brett 1): die Partie ab dem 12. Zug zum Durchklicken
Ergebnisse und Tabellen
Alle Ergebnisse und Tabellen gibt es auf nuLiga:
