Am Sonntag stand für den SK Turm Bad Hersfeld der wohl entscheidende Kampf um den Aufstieg auf dem Programm. Gegner waren die Schachfreunde aus Korbach – ebenfalls mit einer makellosen Bilanz von vier Siegen aus vier Kämpfen. Korbach ging aufgrund der Aufstellungen als leichter Favorit ins Rennen, doch wir waren bestens vorbereitet, hoch motiviert und zudem herrschte beste Stimmung: Eckhard, der am Freitag seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, wurde mit Muffins und kleinen Geschenken überrascht. Ein gutes Omen – auch wenn klar war, dass uns aufgrund des schlechteren Brettpunktverhältnisses nur ein Sieg weiterhelfen würde.
Korbach unterstrich die Bedeutung dieses Kampfes eindrucksvoll, indem sie an den hinteren Brettern sogar einen FM aufboten – in der Landesklasse eine echte Seltenheit. Dieser brachte Korbach dann auch früh in Führung.
Zunächst folgte jedoch ein solides Remis von Eckhard an Brett vier nach einer ausgeglichenen Partie. Auch an Brett zwei teilten Bernd Wildner und das Korbacher Nachwuchstalent die Punkte. Bernd hatte es mit einem umsichtig verteidigenden Gegner zu tun, und im Turmendspiel mit Bauern auf nur einem Flügel war letztlich kein ausreichendes Gewinnpotenzial mehr vorhanden.
An Brett drei musste Korbach dann erneut jubeln: Ein starkes Figurenopfer leitete einen gefährlichen Angriff ein, der schließlich durchschlug und die Führung für die Gäste weiter ausbaute.
Doch die Lullusstädter zeigten Moral und schlugen eindrucksvoll zurück. Am Spitzenbrett wählte ich mit Schwarz bewusst eine zweischneidige Eröffnung, um auf Gewinn zu spielen. Hätte mein Gegner ein starkes Opfer gesehen, hätte ich sehr früh die Segel streichen müssen. Er entschied sich jedoch für eine andere Fortsetzung, und nach dem Abflauen der Komplikationen stand er plötzlich mit zwei Figuren weniger da – auch wenn Schwarz weiterhin konzentriert verteidigen musste.
Schwarz hatte hier etwas zu früh g5 gespielt und danach das konsequente g4 verpasst um den schwarzen Springer zu verjagen. Nach meinem letzten Zug hätte Weiß das vernichtende 13.Sfxe5, fxe 14. Lf3 spielen können und die schwarze Stellung kollabiert. Der Computer möchte hier schon die Dame auf f3 geben.
Mein Gegner spielt jedoch 13.a3 worauf die Stellung nach 13…b5 sehr scharf wird
Schwarz griff mit 14.Da6 fehl und nach 14… Lc8 15. Lxa7 Sxa7 16. Db6 Lb7 17. axb Sc8 hatte ich eine Figur mehr und bei Weiß hängen Dame und Spriner
Kurz darauf konnte Jörk Kruse nach einer schönen Partie im Skandinavier den nächsten vollen Punkt einfahren. Zwar hatte er bereits zwei Bauern gewonnen, musste diesen Vorteil jedoch in Zeitnot präzise verwerten. Sein Gegner griff schließlich fehl und ließ das Matt auf b2 zu (es folgte Dg1 und Dxb2).
Beim Stand von 3:3 liefen noch zwei Partien – anderthalb Punkte mussten also her. Hoffnungsvoll blickten wir auf die Partie von Bernd Schnitzlein, der eine Qualität gewonnen hatte und gute Verwertungschancen besaß. Deutlich schwieriger war die Lage bei Manfred Willich. In einer komplizierten Partie mit vielen Wendungen musste er ein Endspiel mit Turm und Bauer gegen Läufer und vier Bauern auf einem Flügel verteidigen. Doch auch hier unterlief dem Gegner ein entscheidender Fehler: Er verwechselte die Zugreihenfolge, ließ den angegriffenen Läufer stehen und zog stattdessen den König. Nach diesem Einsteller gab er sofort auf. Bernd Schnitzlein einigte sich daraufhin in klar gewonnener Stellung auf Remis.
Der weiße Plan besteht darin zunächst den schwarzen Bauern nach f6 zu zwingen. Anschließend dringt der weiße König über die gegnerische Grundreihe in die feindliche Stellung ein. Schwarz kann nicht verhindern, dass Weiß zumindest in ein gewonnenes Bauernendspiel abwickelt
Damit gewinnen wir auch den vierten von fünf Mannschaftskämpfen – erneut mit dem knappsten aller Ergebnisse. In dieser Saison scheint vieles zu gelingen, was im letzten Jahr noch schiefging. Ein kleines Weihnachtswunder, könnte man sagen.
Nun gilt es, mit voller Konzentration in die letzten vier Kämpfe zu gehen, um den Meistertitel und den Aufstieg endgültig perfekt zu machen.
