Starker Sieg der zweiten Mannschaft über die Zweite aus Rotenburg

Am vergangenen Sonntag gastierte die zweite Hersfelder Mannschaft zum Nachholspiel der dritten Runde in Rotenburg.

Diesmal ging es gegen die zweite Mannschaft.

Vorab möchte ich sagen, dass ich zwei Partien hier leider nicht zeigen kann. Wilhelm möchte, wie bereits in einem anderen Beitrag erwähnt, sich ohne gegnerische Spionage auf die Hessische Einzelmeisterschaft vorbereiten. Alanas Partie war aus dem Formular leider nichtmehr zu rekonstruieren.

Doch nun zum Wettkampf:

Nach dem wichtigen Sieg in Burghaun ging es nun für beide Mannschaften weder um den Auf- noch um den Abstieg, wobei Rotenburg in der Tabelle die bessere Ausgangsposition hatte.

Trotzdem traten die Rotenburger in Bestbesetzung an. Bei den Hersfeldern ersetze Ingo Kehres Denis Kapustjan.

Und der Mannschaftskampf ging schon fulminant los:

An Brett 4 spielten Wolf Hajo Baschin-Iber und sein Gegner eine Partie, die wohl eher auf ein Blitzturnier gehört hätte. In der Anfangsphase bekamen beide Spieler keine Ruhe rein und machten dementsprechend unnötige Fehler.

Den ersten Fehler machte der Rotenburger und kassierte dafür einen Minusbauern – dieser fiel allerdings noch nicht so stark ins Gewicht. Schlimmer hätte es in folgender Stellung für Hersfeld ausgehen können:

Wolf Hajo hatte hier b6 gespielt, dabei aber leider übersehen, dass b4 den Läufer vom Springer abziehen kann. Zum Glück für die Hersfelder hatte es der Rotenburger jedoch übersehen und spielte Sa4. Somit stand es hier statt auf Verlust ausgeglichen.

Es ging relativ unspektakulär weiter – abgesehen von der Geschwindigkeit. Die nachfolgenden Züge waren alle mehr oder weniger in Ordnung und es gab nur kleinere Ungenauigkeiten.
Den nächsten großen Fehler machte dann wieder der Rotenburger:

Wolf Hajo hatte hier c3 gespielt um den Turm etwas in Bedrängnis zu bringen, doch der Rotenburger machte ihm hier den Gefallen Tc2 zu spielen. Le4 war danach sofort auf dem Brett und Weiß in Bedrängnis. An sich schon eine gewonnene Partie aber hier ging alles hin und her. Weiß antwortete mit 31.b7 und Wolf Hajo hing zu sehr am Freibauern und spielte Tc7. Nach 32.La7 war der Vorteil also wieder dahin.

Es folgte ein Generalabtausch und in folgender Stellung bat der Rotenburger Remis:

Natürlich ist diese Stellung komplett ausgeglichen – alleine schon durch die ungleichfarbigen Läufer. Doch während Wolf Hajo jetzt etwas ruhiger spielte, blitzte sein Gegner seine Züge weiterhin runter. Somit kam hier der Verdacht auf, es könne noch etwas gehen.

Und so sollte es dann auch kommen:
Nach 36…Tb2+ 37.Kg3 Txg2+ 38.Kh3 g6 39. Ld6 Tg1 (hier wäre schon h5 ein Gewinnzug gewesen) 40. Tc7+ Kd8 spielte der Rotenburger Txf7.

Und nun konnte Lf5+ die Partie entscheiden:

Der Weiße König ist zu sehr in Bedrängnis und Turm und Läufer können sich frei ausleben.

Beide spielten noch etwas weiter, aber nachdem der Rotenburger nun auch noch seinen Turm verlor, ging der erste Punkt an Hersfeld.
Gut für das Selbstbewusstsein – allerdings muss Wolf Hajo dringend wieder ruhigere Partien spielen, wenn die Partien so erfolgreich bleiben sollen.

Danach passierte lange Zeit nichts Aufregendes. Die Partien waren objektiv noch sehr ausgeglichen bzw in der Anfangsphase.

Den nächsten halben Punkt machte Wilhelm Schimming an Brett 2. Wie bereits angekündigt, möchte ich hier auch wieder nicht zu viel dazu schreiben, allerdings lässt sich das Endspiel besonders lobend erwähnen, da er dort schaffte im Turmendspiel trotz seines Minusbauern ein Remis zu ergattern.

Es stand also 0,5-1,5 für Hersfeld.

Die nächste Partie war die von Ingo Kehres an Brett 5. Hier zeigt sich, dass die Partien, die besser gespielt werden manchmal weniger für den Bericht hermachen, da man auch weniger über Fehler berichtet. Ingo und seine Gegnerin spielten hier so gut Züge nahe der Enginezüge, dass in der Analyse der erste wirklich spannende Moment in Zug 26 kam, als das erste Mal ein potenzieller Vorteil angezeigt wird:

Ingo hatte mit Weiß hier Kf1 auf Kf8 gespielt. Tc1 wäre hier besser gewesen. Aber wenn bis Zug 26 nichtmal Ungenauigkeiten gespielt wurden, kann man sich darüber nicht beschweren.

Beide Spieler befanden sich nun also schon sehr früh im Endspiel.

Die Entscheidung sollte noch bis Zug 36 warten:

Die Rotenburgerin hatte hier g6 gespielt. Die Frage war hier wer wen in Zugzwang bringen kann. Ingo hätte hier b5 spielen sollen und den Schwarzen auflaufen lassen. Stattdessen spielte er Kd4 – die Engine springt von 0.00 auf -4,33. Allerdings hatte Ingos Gegnerin ebenfalls das nun richtige b5 übersehen und h6 gespielt. Die Enginebewertung sprang ins Gegenteil. Und ab jetzt spielte Ingo das Endspiel souverän zum Sieg. Mit Kc4 entging er der Opposition und setzte die Rotenburgerin in Zugzwang, indem er die schwarzen Bauern auflaufen ließ:

Der schwarze König musste zurück und Ingo konnte nun die eigenen Bauern vorrücken und mit dem König in die schwarze Stellung eindringen. Somit stand es nach Zug 46 so schlecht um Schwarz, dass Ingo das 0,5-2,5 für Hersfeld eintüten konnte:

Dritter Sieg im dritten Spiel der Bezirksoberliga. Sehr stark!

Am Spitzenbrett konnte Vanessa Krauße eine sehr schöne Partie zeigen. Durch einige kleinere Ungenauigkeiten konnte sie schon schnell eine deutlich bessere Bewertung auf das Brett bekommen:

Hier ist zwar noch nichts entschieden, aber es lässt sich nach 15.0-0-0 schon der Charakter des Spiels erkennen. Durch die entgegengesetzten Rochaden müssen beide Spieler ihren eigenen König verteidigen, während sie versuchen möglichst als Erste oder Erster den gegnerischen König erreichen wollen.

Und hier hat Weiß einfach größere Angriffsfläche.

Dies zeigte sich auch im weiteren Verlauf der Partie, in dem der Vorteil immer greifbarer wurde.
Jedoch springen wir nun zum ersten richtigen Weißen Fehler:

Vanessa hatte hier 25.Dg2 gespielt. Der Zug sieht erst einmal logisch aus, bildet er doch eine Batterie von Dame und Turm auf den g7-Bauern. Allerdings hätte Schwarz hier die Möglichkeit gehabt Sd3+ zu spielen und der für den Angriff so wichtige Läufer auf e3 hätte die Segel streichen müssen. Doch es kam anders. Der Rotenburger spielte Sc4 und Vanessa sah den hier bestmöglichen Zug Lh6. Schwierig zu sehen, sollte dieser Zug sie eigentlich auf die Siegerstraße bringen.

Doch hier spielte leider der Faktor Zeit gegen sie. Mit noch mehr als 10 Zügen zu spielen hatte Vanessa noch knapp eine Minute auf der Uhr. Zu wenig wie sich herausstellen sollte. In Zeitnot konnte sie nichtmehr die entscheidenden Angriffszüge finden und gerat selbst immer mehr unter Feuerbeschuss. Die Stellung war einfach nichts für Zeitnot – jeder Zug hätte hier einiges an Bedenkzeit gebraucht. Und nach Zug 34 von Schwarz war hier auch Schluss.

Trotz sehr schöner Partie verlor Vanessa hier leider auf Zeit:

Es war mit 1,5-2,5 also wieder etwas spannend.

Zu diesem Zeitpunkt insbesondere deswegen, da es an Brett 1 noch ausgeglichen stand und Philipp Schäfer an Brett 6 noch etwas in Bedrängnis war. Philipp hatte schon früh in der Partie durch einen unglücklichen Fehler einen Bauern verloren:

Philipp hatte hier h6 gespielt und so konnte Weiß mit 11.Tc1 Sa5 12.Lxc7 früh einen Bauern gewinnen. Diesem musste Philipp nun also hinterherlaufen.

Doch wer Philipps Spiel kennt, der weiß, dass ein Bauer erstmal nichts bedeutet.
Und so konnte er sich auch noch sehr lange verteidigen. Beide Spieler machten zwar noch einige kleinere Fehler im Mittelspiel, allerdings nichts Spielveränderndes.

Auch hier dauerte es bis zum 34. Zug, bis hier der Rotenburger die entscheidenden Fehler machte:

Philipp hatte hier De5 gespielt und der Rotenburger Spieler spielte Tf1. Hier hätte Philipp schon mit dem Turm auf d5 schlagen können, denn der Bauer auf e4 wäre gefesselt gewesen.

Zwei Züge lang übersahen beide Spieler das Motiv, bis es dann aber tatsächlich einschlug.
Und da der Rotenburger dann sogar noch die Damen tauschte, war es nun klar gewonnen:

Im Diagramm schlägt Schwarz Dxd5, exd5 und Txe2 droht Matt auf e1, wodurch auch noch der Bauer fällt. Diesen Vorteil ließ sich Philipp nichtmehr nehmen.

1,5-3,5. Die zwei Mannschaftspunkte waren sicher.

Den Schlusspunkt zum 1,5-4,5 Endstand machte hier Alana Prendel an Brett 3 und einer sehr schönen Endspielkombination auf einen rückständigen Bauern, bei dem sie sogar noch ein Matt fand. Ich hätte dieses sehenswerte Endspiel gerne gezeigt, konnte allerdings die Entstehung nichtmehr sicher rekonstruieren.
Vielleicht beim nächsten Mal.

Am Ende stand jedenfalls ein ungefährdeter Sieg auf der Karte, womit nun sogar noch eine Endplatzierung im oberen Drittel möglich sein kann.

Weiter geht es direkt am nächsten Sonntag mit der Partie Hersfeld 2 – Rotenburg 1.

Wie immer noch die Partien zum Nachspielen:

(Einfach auf die gewünschten Züge klicken/tippen)