Verbandsliga Nord: Die Türme zahlen Lehrgeld – mit ein paar Glanzzügen als Wechselgeld

Vergangene Saison sind wir aus der Landesklasse Nord aufgestiegen, und zur Wahrheit gehört: Ein bisschen Glück war auch dabei. Sieben unserer Kämpfe endeten mit dem knappsten aller Ergebnisse, 4,5:3,5, und nicht jeder dieser halben Punkte war ein Kunstwerk. Jetzt spielen die Türme in der Verbandsliga Nord, und die ersten beiden Runden haben deutlich gezeigt: Hier weht ein anderer Wind. Gegen Gießen und in Neuberg setzte es zweimal ein 3:5. Ganz leer gingen wir trotzdem nicht aus, denn ein paar Partien hätten auch in jeder höheren Liga eine gute Figur gemacht.

Runde 1: SK Turm Bad Hersfeld – SK Gießen 3:5

Gießen reiste mit einer an jedem Brett DWZ-stärkeren Mannschaft an. Markus Schmidt, Eckhard Krauße, Bernd Wildner und Jörk Günther hielten jeweils ein Remis. Das Glanzlicht des Tages setzte aber Dmitry Vasilenko an Brett 2.

Vasilenko – Mastiuk (Brett 2), nach dem 17. Zug von Weiß – Schwarz am Zug

Weiß hatte für seinen Königsangriff zwei Bauern investiert, und hier hätte Schwarz die Partie sogar entscheiden können: Mit 17…Scxe5! 18.dxe5 Sxe5 hätte Schwarz klar auf Gewinn gestanden. Nach 17…c4 blieb es spannend, und im 20. Zug war wieder alles ausgeglichen. Dann fand Dmitry 21.Lg5!, und sein Gegner griff mit 21…g6? daneben. Mit 21…Sd7 wäre alles im Lot gewesen. Nach 22.Lxe7 gxh5 23.Ld6 hatte Weiß plötzlich das Sagen.

Vasilenko – Mastiuk (Brett 2): ab dem 17. Zug zum Durchklicken

Schwarz setzte noch auf seinen c-Bauern, der sich bis c2 vorkämpfte, doch Dmitry hatte andere Pläne. Einfach mal durchklicken:

Vasilenko – Mastiuk (Brett 2): ab dem 33. Zug zum Durchklicken

An den hinteren Brettern lief es weniger rund. Jona Rößing hatte gegen Sofiia Villip lange die etwas angenehmere Stellung.

Rößing – Villip (Brett 6), nach dem 25. Zug von Weiß – Schwarz am Zug

Weiß droht Lf6 mit Matt auf g7. Nach 25…Dg4? hätte 26.Lf6 tatsächlich gewonnen, doch Schwarz fand das kühle 25…f5!. Nach 26.Lf6 Txf6 27.exf6 Df7 28.g4 Te8 war die Stellung noch ausgeglichen. Dann kam 29.Tae1?

Rößing – Villip (Brett 6): ab dem 25. Zug zum Durchklicken

Rößing – Villip (Brett 6), nach 29.Tae1 – Schwarz am Zug

Schwarz am Zug – und der Springer schlägt zu: 29…Se3+! Der Springer holt sich den Turm auf f1, und das Endspiel mit zwei Mehrbauern ließ sich Schwarz nicht mehr nehmen. Mit 29.Kh1 hätte Weiß das Gleichgewicht gehalten.

Rößing – Villip (Brett 6): ab dem 29. Zug zum Durchklicken

Eine wilde Partie lieferte Bernd Schnitzlein an Brett 8.

Schnitzlein – Himmelspacht (Brett 8), nach dem 21. Zug von Schwarz – Weiß am Zug

Nach dem starken 19.f4! hatte Bernd den Gegner am Haken. Hier hätte 22.Lxg4! hxg4 23.De1 sogar klar gewonnen. Nach 22.Tf5 Taf8 war mit 23.Lxg4! hxg4 24.Txf8 Txf8 25.De1 immer noch ein deutlicher Vorteil drin, nach 23.Tcf1 Txf5 24.Txf5 Sxh2 war die Stellung dann ausgeglichen. Doch Bernd blieb dran: Nach 26.Te5! und dem schwarzen Fehler 27…Dd7 stand er mit 28.De1 erneut auf Gewinn.

Schnitzlein – Himmelspacht (Brett 8): ab dem 22. Zug zum Durchklicken

Ein paar Züge später ergab sich die nächste große Chance.

Schnitzlein – Himmelspacht (Brett 8), nach 31…Lc8 – Weiß am Zug

Weiß am Zug – wie kommt die Dame ins schwarze Lager? Mit 32.Dc7+! Dd7 33.De5+ Kg8 34.Df6 wäre der schwarze König kaum noch zu halten gewesen. Nach 32.Df4 hätte Schwarz mit 32…Dxf4 33.exf4 c5 ausgleichen können, spielte aber gleich 32…c5. Nach 33.Dc7+ Dd7 34.De5+ Kg8 bot sich mit 35.Df6! noch einmal die Gelegenheit zum Gewinn, nach 35.Le8 De6 36.Dxe6+ Lxe6 ging es dagegen ins Läuferendspiel mit einem Mehrbauern.

Schnitzlein – Himmelspacht (Brett 8): ab dem 32. Zug zum Durchklicken

Auch dort ging es munter hin und her. Nach 37.g6 war die Stellung ausgeglichen, später verpasste Schwarz mit 41…Lg4 und 45…Ld3 seinerseits zweimal den Gewinn. Nach 46…Lxc4 war die Stellung aber noch zu halten.

Schnitzlein – Himmelspacht (Brett 8), nach 46…Lxc4 – Weiß am Zug

Weiß am Zug – der Läufer muss die richtige Diagonale wählen. Mit 47.Ld1! wäre das Remis drin gewesen. Nach 47.Lb1? Lb3 drang Schwarz dagegen mit b5 und dem König über g4 und g3 ein, und am Ende setzte sich Schwarz durch. Bis dahin hatte Bernd eine sehr unterhaltsame Partie gespielt.

Schnitzlein – Himmelspacht (Brett 8): ab dem 47. Zug zum Durchklicken

Unglücklich verlief die Partie von Paul Keßler an Brett 7, der lange die besseren Chancen hatte.

Eckhardt – Keßler (Brett 7), nach dem 21. Zug von Weiß – Schwarz am Zug

Schwarz am Zug – wo steht die weiße Dame eigentlich bequem? Nirgends, denn 21…g5! hätte sie in große Verlegenheit gebracht. 22.Dxh6? scheitert an Th8. Paul tauschte erst mit 21…Lxe3 22.Txe3 und spielte dann 22…g5!. Nach 23.Dxh6 hätte 23…Tg8! mit der Drohung Tg6 gewonnen, nach 23…Th8 24.Dxg5 hatte plötzlich Weiß leichte Vorteile. Paul kämpfte sich aber zurück und hielt das lange Turmendspiel ausgeglichen.

Eckhardt – Keßler (Brett 7): ab dem 21. Zug zum Durchklicken

Eckhardt – Keßler (Brett 7), nach 49.Td6 – Schwarz am Zug

Der e-Bauer marschiert, und Schwarz muss genau verteidigen. Mit 49…Ta8! hätte Paul das Remis gehalten. Nach 49…Tc4? lief der Bauer dagegen mit 50.e7 Ta8 51.Td8 durch. Schade nach so einem langen Kampf.

Eckhardt – Keßler (Brett 7): ab dem 49. Zug zum Durchklicken

So stand am Ende ein 3:5.

Runde 2: SF Neuberg – SK Turm Bad Hersfeld 5:3

In Neuberg wartete die nächste starke Truppe. Bernd Wildner, Jörk Günther, Jona Rößing und Manfred Willich spielten remis. Für den vollen Punkt sorgte Markus Schmidt an Brett 2, und zwar mit einem Königsangriff wie aus dem Lehrbuch.

Iwanziw – Schmidt (Brett 2), nach dem 17. Zug von Schwarz – Weiß am Zug

Die schwarzen Figuren stehen schon bedrohlich nah am weißen König. Mit 18.e3! hätte Weiß noch halbwegs dichthalten können. 18.f3? öffnete dagegen die Tür, und nach 18…Th6 schwenkte der Turm direkt Richtung h2. Der weiße König versuchte, sich über f2 und e3 in Sicherheit zu bringen. Wie dieser Spaziergang endete, zeigt der Ausschnitt:

Iwanziw – Schmidt (Brett 2): ab dem 18. Zug zum Durchklicken

Pech hatte Eckhard Krauße gegen den fast 300 DWZ-Punkte stärkeren Norbert Heck.

Heck – Krauße (Brett 4), nach dem 22. Zug von Weiß – Schwarz am Zug

Schwarz am Zug – was macht der Bauer auf d4? Eckhard fand 22…d3!, einen Abzugsangriff, der die weiße Stellung durcheinanderwirbelte. Nach 23.Dxe4 Sxe4 24.exd3 Sxc5 war das Endspiel ausgeglichen, und Eckhard hielt es lange sauber. Erst im Turmendspiel wurde es kritisch.

Heck – Krauße (Brett 4): ab dem 22. Zug zum Durchklicken

Heck – Krauße (Brett 4), nach 39.Txf6 – Schwarz am Zug

Schwarz am Zug – Weiß hat gerade den f-Bauern geschlagen und droht Tf8+. Mit 39…h5 wäre der halbe Punkt wohl gesichert gewesen. Nach 39…Ke7? 40.Th6 fiel auch noch der h-Bauer, und Weiß stand klar auf Gewinn.

Heck – Krauße (Brett 4): ab dem 39. Zug zum Durchklicken

Am Spitzenbrett bekam es Dmitry Vasilenko mit dem DWZ-stärksten Spieler des Tages zu tun, Christopher Seifert (2306). Diesmal hatte er mit Weiß das Nachsehen.

Vasilenko – Seifert (Brett 1), nach dem 12. Zug von Schwarz – Weiß am Zug

Schwarz hatte die Stellung schon gut im Griff. Dmitry wählte mit 13.g4 den aktiven Weg am Königsflügel, ruhiger wäre 13.Sd2 gewesen. Nach 13…f5! 14.exf5 gxf5 15.g5 öffneten sich die Linien allerdings eher für Schwarz, und Seifert zog die Schlinge Zug um Zug zu.

Vasilenko – Seifert (Brett 1): ab dem 13. Zug zum Durchklicken

Vasilenko – Seifert (Brett 1), nach 28.Kxg2 – Schwarz am Zug

Schwarz am Zug – und jetzt kommt’s: 28…Te2! Nach 29.Sxe2 dxe2 30.Td2 folgte 30…Sxf4+!, eine Ablenkung mit Umwandlungsidee, denn 31.Dxf4 scheitert an e1D. Nach 31.Kf3 d3 32.De3 De5 33.Dxe5 Lxe5 waren die schwarzen Bauern nicht mehr aufzuhalten. Eine starke Partie von Schwarz, gegen die an diesem Tag wenig zu machen war.

Vasilenko – Seifert (Brett 1): ab dem 28. Zug zum Durchklicken

Dazu kam eine Niederlage von Jörg Michael Kruse, und so endete auch dieser Kampf 3:5.

Ausblick

Zwei Niederlagen zum Auftakt bedeuten vorerst Platz 7. Gießen steht aktuell auf Platz 2, und die Partien haben gezeigt, dass wir mithalten können, wenn wir unsere Chancen nutzen. Am 25. Oktober kommt mit Schöneck der aktuelle Tabellenführer nach Bad Hersfeld. Leichter wird es also nicht, aber vielleicht gibt es ja diesmal das nötige Glück zurück.

Und die anderen Türme?

Die Zweite startete in der Bezirksoberliga mit einem 3:3 in Hünfeld. Ein ordentlicher Auftakt. Der für den 15. November angesetzte Kampf bei Landeck Schenklengsfeld 2 wird verlegt, weiter geht es deshalb am 29. November mit dem Heimspiel gegen Fulda 3.

Die Dritte macht es in der Bezirksliga vor: Zwei 3:1-Siege gegen Rotenburg 3 und Hünfeld 2 bedeuten die Tabellenführung. Am 25. Oktober geht es nach Fulda.

Unser Nachwuchs ist mit gleich drei Schülermannschaften in seine erste Saison in der Bezirksklasse gestartet. Für viele ist das die erste richtige Liga-Erfahrung, mit Turnierbedingungen, Mannschaftsführer und allem, was dazugehört. Die Vierte hat ihre ersten beiden Kämpfe gewonnen, die Fünfte und die Sechste sammeln noch Erfahrung und warten auf die ersten Punkte. Die kommen bestimmt. Am 29. November steht unter anderem das vereinsinterne Duell zwischen der Vierten und der Sechsten an. Wir freuen uns auf eine spannende Saison mit unseren Jüngsten!

Ergebnisse

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